Manchmal merkst du im Alltag kaum, dass du einen Körper hast. Du stehst auf, greifst nach dem Handy, gehst ins Bad, machst Kaffee, arbeitest, funktionierst und gehst durch deinen Alltag. Dein Körper ist wie selbstverständlich mit unterwegs. Er trägt dich durch den Tag, sitzt im Auto, tippt am Laptop, lächelt im Gespräch. Und oft bleibt er dabei erstaunlich still. Nicht, weil es ihm immer gut geht, sondern weil du ihn nicht wirklich fragst.
Erst, wenn der Körper sich meldet, merken wir, dass wir ihn den ganzen Tag übergangen haben.
Wir leben viel im Kopf. In Gedanken, Plänen, Erwartungen. Und je voller der Alltag ist, desto mehr wird der Körper zu etwas, das einfach mitlaufen muss. Du bemerkst ihn häufig erst dann, wenn er sich meldet: wenn der Nacken zieht, der Magen eng wird oder du abends auf die Couch sinkst und spürst, wie müde du eigentlich bist. Dieses Nicht-Wahrnehmen passiert selten aus Gleichgültigkeit. Es ist etwas, das wir gelernt haben. Erst funktionieren, dann fühlen.
Auch hier setzt Biodanza an. Nicht als Technik und nicht als Konzept, sondern als Einladung, den eigenen Körper wieder bewusst wahrzunehmen.
Wenn das Körperbild aus dem Gleichgewicht gerät
Wenn der Körper im Alltag kaum Aufmerksamkeit bekommt, verändert sich oft auch das innere Bild, das wir von ihm haben. Unser Körperbild entsteht dann weniger aus Erleben und mehr aus Beobachten. Aus Vergleichen, Bewertungen und aus der Frage, ob wir genügen.
Ein negatives Körperbild entsteht selten plötzlich. Es wächst leise. Über Jahre hinweg. Viele Menschen, die zu Biodanza kommen, beschreiben genau diesen Zustand: Sie wissen viel über ihren Körper, aber sie spüren ihn wenig. Sie sehen ihn von außen, erleben ihn aber kaum von innen.
Und genau hier wird verständlich, warum reine Kopfarbeit selten reicht. Denn das Problem ist nicht fehlendes Wissen, sondern eine unterbrochene Beziehung. Wenn der Körper zum Objekt wird, verliert er seine Selbstverständlichkeit. Und aus Distanz entsteht fast automatisch Kritik.
Selbstwahrnehmung beginnt im Erleben
Selbstwahrnehmung bedeutet nicht, den Körper ständig zu analysieren. Sie bedeutet, ihn zu fühlen. Zu spüren, wie es ist, in diesem Körper zu sein. Im Alltag geht dieser Kontakt oft verloren, weil Aufmerksamkeit permanent nach außen gerichtet ist.
Damit sich das Körperbild verändern kann, braucht es deshalb neue Erfahrungen. Nicht über Denken, sondern über Erleben. Nicht über Optimierung, sondern über Kontakt. Erst wenn der Körper wieder wahrgenommen wird, kann sich auch die Beziehung zu ihm verändern.
Hier öffnet sich der Raum für Biodanza als Erfahrungsweg.
Biodanza als Erfahrungsraum für den eigenen Körper
Biodanza beginnt nicht mit Erklärungen, sondern mit Musik. Mit Bewegung. Mit einem Raum, in dem nichts bewertet wird. Es gibt keine Spiegel, keine richtigen oder falschen Bewegungen, keine ästhetischen Vorgaben. Dein Körper darf so erscheinen, wie er gerade da ist.
Die Bewegungen sind einfach. Manchmal klein, manchmal verspielt, manchmal ruhig, manchmal voller Energie. Sie entstehen aus der Musik und aus dem inneren Erleben. Und genau dadurch rückt der Körper wieder ins Zentrum und das nicht als Problem, sondern als Quelle von Empfindung.
Ich habe lange nicht bewusst in meinem Körper gelebt. Er war halt einfach da. Er hat mich getragen, mich durch den Alltag gebracht und ehrlich gesagt habe ich ihm dabei wenig Beachtung geschenkt. Nachgedacht habe ich meist nur dann, wenn etwas weh tat oder nicht mehr so wollte wie ich. Dann kam dieser typische Gedanke: Ich müsste mal was für meinen Körper tun. Mehr Bewegung und mehr Aufmerksamkeit eben. Und genauso typisch kam direkt danach der Alltag dazwischen. Keine Zeit. Später. Nächste Woche. Irgendwann.
Biodanza hat daran etwas verändert. Nicht auf einmal und nicht mit einem großen Knall. Aber mein Bewusstsein hat sich verschoben. Ich habe angefangen, meinen Körper nicht nur als Hülle zu sehen, in der ich irgendwie stecke, sondern als etwas, das wirklich zu mir gehört und das Zuwendung braucht. Klar, ganz ehrlich: Wir Frauen sind wahrscheinlich in den seltensten Fällen völlig zufrieden und ein bisschen Eitelkeit sei uns gegönnt. Aber es geht mir heute um etwas anderes als um Zufriedenheit im Spiegel. Es geht darum, dass ich meinen Körper wieder mehr als Verbündeten erlebe. Als etwas Lebendiges, das Liebe braucht. Und Bewegung. Und manchmal einfach die Erlaubnis, da zu sein, ohne dass ich es sofort verbessern muss.
Ich habe aufgehört, meinen Körper zu reparieren. Er braucht nicht mehr Leistung, sondern Aufmerksamkeit!
Viele Menschen erleben in einer Biodanza Vivencia übrigens zum ersten Mal seit Langem, wie es ist, den eigenen Körper nicht zu kontrollieren, sondern ihm zuzuhören. Die Aufmerksamkeit wandert aus dem Kopf zurück in den Körper. Selbstwahrnehmung entsteht nicht als Aufgabe, sondern als natürliche Folge. Und ganz ehrlich: Es fühlt sich einfach wunderbar an. Frei und lebendig.
Biodanza, Selbstannahme und Beziehung
Aus diesem Erleben heraus verändert sich oft auch der innere Umgang mit dem eigenen Körper. Selbstannahme entsteht nicht durch Vorsätze, sondern durch Erfahrung. Wenn der Körper nicht bewertet wird, sondern einfach da sein darf, entsteht Weichheit.
In der Biodanza Gruppe wird sichtbar, wie unterschiedlich Körper sind. Wie verschieden Bewegungen aussehen. Und wie normal das ist. Diese Erfahrung wirkt tief, weil sie nicht erklärt, sondern erlebt wird. Das Nervensystem lernt: Ich darf da sein. So wie ich bin. Ohne mich rechtfertigen zu müssen.
Biodanza ersetzt keine Therapie. Aber es kann ein kraftvoller Erfahrungsraum sein, um Vertrauen in den eigenen Körper wieder aufzubauen. Schritt für Schritt, im eigenen Tempo.
Wenn der Körper wieder vertraut wird
Mit der Zeit berichten viele Menschen von einer stillen, aber nachhaltigen Veränderung. Der Körper fühlt sich weniger fremd an. Weniger wie ein Objekt, das man verwalten muss. Mehr wie ein Ort, den man bewohnt und den man wieder wahrnehmen kann.
Das bedeutet nicht, dass alte Zweifel verschwinden oder alles leicht wird. Aber die Beziehung verändert sich. Der Körper wird weniger Gegner und weniger Projekt. Er wird wieder Teil des eigenen Erlebens.
Vielleicht ist genau das der Kern eines positiveren Körpergefühls: nicht Perfektion, sondern Verbundenheit. Nicht Kontrolle, sondern Kontakt. Nicht Bewertung, sondern Beziehung.
» Lesetipp: Wenn jemand einfach hinter dir steht
Dein nächster Schritt mit Biodanza
Biodanza ist kein schneller Weg und kein Allheilmittel. Aber es ist ein Raum, in dem du deinem Körper neu begegnen kannst. Freundlicher. Ehrlicher. Über das Erleben statt über den Anspruch.
Wenn du Biodanza ausprobieren möchtest, schau gern, ob es in deiner Nähe eine Gruppe gibt. Eine Übersicht findest du hier https://www.biodanza-deutschland.org
Und jetzt zu dir:
- Spürst du deinen Körper?
- Wie erlebst du die Beziehung zu deinem Körper gerade?
- Fühlt sie sich vertraut an oder eher distanziert?
Schreib mir gern einen Kommentar. Deine Gedanken können auch für andere ein erster, leiser Einstieg sein.

Janet, ich liebe solche Sätze von dir:
„Biodanza ist kein schneller Weg und kein Allheilmittel. Aber es ist ein Raum, in dem du deinem Körper neu begegnen kannst. Freundlicher. Ehrlicher. Über das Erleben statt über den Anspruch.“
Wie schön, dass du die Sprache so schön nutzt, danke, ich hoffe, dass noch viel Menschen deinen Blog entdecken, ich habe ihn schon mehrmals weiterempfohlen 🙂