Wie Du vom einzelnen Tropfen Teil des Universums werden kannst

Sign Element Wasser

Kennst du dieses Gefühl, dass äußerlich alles okay oder sogar richtig gut ist: Job, Alltag, Menschen um dich herum und du dich innerlich trotzdem manchmal ein bisschen wie am Rand erlebst? Oder du spürst diesen einen Teil in dir, der immer allein ist? Du bist da, du machst deinen Alltag und fühlst auch sehr oft, erlebst wunderbare Momente. Und doch gibt es Momente, in denen etwas in dir leise fragt:

Bin ich verbunden oder doch eher allein?

Vielleicht kennst du auch diese Sehnsucht nach einem Ort oder einem Zustand, an dem du dich ganz fühlen kannst: nicht angepasst, nicht stark, nicht richtig, sondern einfach du. Gesehen, gehalten, Teil von etwas Größerem, ohne dich dafür verbiegen zu müssen. Und dort ist auch dieser eine Teil von dir nicht mehr allein. Diese letzte Instanz von dir.

Genau diese Fragen nach Zugehörigkeit, Verbundenheit und dem eigenen Platz im Leben haben mich schon lange begleitet. Und irgendwann tauchte ein Bild auf, das mir geholfen hat, das alles besser zu verstehen: Das Bild vom Tropfen und vom Meer.

Manchmal habe ich mich in meinem Leben gefühlt wie ein einzelner Tropfen Wasser. So ein kleiner, unscheinbarer Tropfen, der hier hängt, dort herunterfällt, vielleicht irgendwo am Boden landet. Und dann gibt es das Meer. Unzählige dieser Tropfen, die zusammen eine Kraft bilden, die Küsten formen, Felsen schleifen und Schiffe tragen kann. Wasser, das manchmal wild und aufbrausend ist, alles durcheinanderwirbelt und im nächsten Moment still und glatt daliegt, wie ein ruhiger Atem. Für mich eine ganz wunderbare Metapher für uns Menschen.

Ich schaue gern hinaus auf das Meer und gerate ins Träumen. Was ist eigentlich mein Platz in diesem großen Ganzen? Was ist der Sinn? Bin ich Teil von etwas? Wo gehöre ich hin? Bin ich nur der Tropfen am Rand oder ein Stück Meer? Und manchmal dachte ich:

Ich bin der Tropfen, der irgendwie nicht dazugehört.

Mit diesem inneren Bild vom Tropfen und vom Meer ging es für mich erst kürzlich zum „Aquatica“, Biodanza im Wasser also.

Mein erstes Aquatica: Spielen, Nähe und nackte Wahrheit

Ich wusste nicht so recht, was mich erwartet. Ich war aufgeregt und angespannt. Nicht, weil ich Angst vor den anderen hatte. Sondern, weil ich nicht wusste: Was wird da mit mir passieren?

Da ist noch etwas: Im Wasser sind wir näher aneinander dran. Badekleidung statt T-Shirt und Hose, weniger Hüllen, die uns schützen oder verstecken. Man zeigt automatisch mehr von sich, äußerlich und innerlich.

Der Einstieg war überraschend leicht: Wir spielten im Wasser wie Kinder. Wir tobten, hüpften, tauchten. Das Wasser im Becken war aufgeregt, spritzte und lachte mit uns. Es machte das, was wir machten. Als die Musik ruhiger wurde und unsere Bewegungen langsamer wurden, beruhigte sich auch das Wasser. Ein schöner Vergleich zum Leben: Bist du ruhiger und langsamer, wird es auch um dich herum passieren.

In kleinen Gruppen, zu zweit, zu dritt oder zu viert, begannen wir mit verschiedenen Übungen. Für mich waren zwei Erfahrungen besonders intensiv. Aber eins noch vorn weg. Nämlich das, was irgendwie ganz unbemerkt passiert. Die Sinne verändern sich und das hat eine große Wirkung! Lasst mich das mit nur 4 Sinnen aufzeigen. Da ist natürlich noch mehr!

1. Tastsinn: Die Haut wird zum großen Empfangsorgan

Im warmen Wasser ist plötzlich alles Haut. Überall ist Kontakt: mit dem Wasser, mit den kleinen Wellen, mit Händen, Armen, Körpern von Menschen um uns herum. Druck und Gewicht verändern sich, wir werden leichter. Vieles fühlt sich eher nach Streicheln oder sanftem Schaukeln an als nach „angefasst werden“. Das Wasser legt sich wie eine zweite Haut um uns, hält uns, ohne zu klammern. Statt ein paar fester Punkte wie der Boden sind wir rundherum weich umhüllt. Berührung ist auf einmal weniger hart, weniger kantig, mehr fließend.

Und etwas Spannendes passiert: Unser Tastsinn, der im Alltag so oft prüfen muss „Bin ich hier sicher? Wo ist Grenze?“, darf für einen Moment etwas anderes wahrnehmen, nämlich Nähe, Halt, Geborgenheit.

2. Gleichgewichtssinn: Die Schwerkraft lässt nach

An Land sind unsere Körper die ganze Zeit damit beschäftigt, uns aufrecht zu halten. Ohne dass wir darüber nachdenken, balancieren wir uns aus, tragen unser Gewicht, halten unseren Kopf oben. Im Wasser verändert sich das plötzlich. Der Auftrieb nimmt uns Gewicht ab. Unsere Körper müssen sich nicht mehr gegen den Boden behaupten, nichts mehr ausgleichen, nichts festhalten. Selbst der Kopf wird leichter, darf sich mal hängen lassen, untertauchen, wieder auftauchen. Oben, unten, vorne, hinten, rechts, links. Alles geht und wird weicher, weniger streng, weniger „wir müssen“.

Und wenn dann noch andere Menschen uns im Wasser halten oder führen, kommt etwas Neues dazu: Wir orientieren uns nicht mehr nur an uns selbst, sondern auch am Körper eines anderen Menschen. Sicherheit entsteht nicht mehr nur über Kontrolle („Ich halte mich selbst“), sondern immer mehr über Hingabe: Wir lassen uns vom Wasser und von den Menschen tragen. Klingt das nicht toll? Sicherheit über Hingabe!

3. Körperwahrnehmung: Die Grenzen werden fließender

Normalerweise spüren wir unseren Körper ziemlich klar. Hier ist ein Arm, da ein Bein, da der Boden. Gerade für mich fühlt sich das manchmal auch nach Begrenzung an. Im Wasser bewegen sich unsere Gelenke leichter und weiter. Durch das Getragenwerden und Ausstrecken entsteht das Gefühl, der Körper könnte sich in alle Richtungen bis ins Unendliche ausdehnen. Unser Körperbild wird durchlässiger. Wir sind nicht mehr nur „eingesperrt“ in diesem einen, festen Rahmen, sondern erleben: Wir haben eine Form, aber wir sind auch Bewegung, Fluss, Schwingung.

Der Tropfen spürt noch, dass er Tropfen ist, aber er fühlt sich gleichzeitig mehr als Teil des Wassers.

4. Inneres Spüren: Herz, Atem, Emotionen

Im ruhigen Schweben wird unser Atem spürbarer. Ein- und Ausatmen bewegen unseren Körper sanft im Wasser, fast wie ein inneres Wiegen. Auch Herzschlag, Wärme, kleine Spannungen und das Loslassen dazwischen treten mehr in den Vordergrund. Emotionen, die im Alltagslärm oft untergehen, tauchen auf: Traurigkeit, Glück, Rührung, Frieden, Weichheit. Unser inneres Spüren wird feiner. Der Körper ist nicht mehr nur das Ding, das „funktionieren“ muss, sondern ein Raum, in dem sich Gefühle zeigen dürfen.

Ausdehnen in alle Richtungen und doch gehalten sein

Lege dich auf den Rücken und breite dich aus im Wasser! So hieß es. Arme, Beine, Kopf, alles durfte loslassen, alles durfte sich ausbreiten und sich strecken. Eine Person begleitete mich dabei und hielt mich nur ganz sanft ab und zu, um zu begleiten und mir Sicherheit zu geben, weil ich ab und zu spürte: Ah, das ist noch die Hand. Alles ist ok. Diese Person gab mir im Wasser Orientierung, damit ich mich nicht verliere. Sie schützte mich, hielt mich sanft, passte auf, dass ich nicht unterging. Ich ließ mich vom Wasser tragen, ich tauchte ab, ich drehte mich, nach vorn, zu Seite, langsam, schnell und immer mehr wollte sich ausdehnen und sich strecken. Es war ein wunderschöner Moment: Ich war maximal ausgedehnt und gleichzeitig gehalten. Nirgends war eine Grenze. Nicht die Beckenwand, nicht der Raum, nicht einmal mein Körper fühlte sich an wie eine Grenze.

Und gerade ich denke manchmal, dass ein Körper eine lästige Begrenzung nach Außen ist. Zudem stecken wir Menschen in unserem Bewusstsein, in unseren Gedanken, Geschichten, Bewertungen. Das ist für mich eine innere Begrenzung. Das alles gibt uns natürlich viel Schutz, aber doch auch irgendwie Begrenzung.

Im Wasser löste sich das langsam auf. Für einen Moment war ich nicht mehr „Ich in meinem Körper mit meinem Kopf und meinen Gedanken“.

Ich war Ausdehnung. Bewegung. Wasser. Grenzenlos. Frei. Geborgen. Beschützt. Warm.

Es war pure Intensität und gleichzeitig tiefste Entspannung. Ekstase und Ruhe. Es war alles. Und es war göttlich. Was ich nicht ahnte: Und es sollte noch intensiver werden.

Ich, der Tropfen und das Universum

Die nächste Übung: Wieder ließ ich meinen Körper ins Wasser sinken, ohne unterzugehen. Wieder waren da Menschen, die schützten. Ich breitete mich wieder in jede Richtung aus. Dieses Mal nicht nur mit Armen, Beinen, Bauch, Rücken, sondern mit jeder Phase, mit jeder Zelle. Viel intensiver. Und irgendwann geschah etwas:

Es war, als hätte ich keinen Kopf mehr.
Keine Gedanken.
Es war, als hätte ich keinen Körper mehr.
Keine Begrenzung.

Nur Ruhe. Ich trieb im Wasser und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, im Universum zu schweben. Ich war nicht mehr der einzelne Tropfen, der am Rand sitzt und sich fragt, wie er dazugehört. Ich war auch nicht mehr im Wasser. Ich war überall und nirgends. Hier und dort zugleich, ohne eigentlich irgendwo zu sein.

Ich war Teil des Ganzen.
Verbunden mit allem, was es gibt:
mit Menschen, mit den Elementen, mit der Natur.

Ich war das fehlende Puzzleteil, das das Bild erst vollständig macht. Ich war leicht. Glücklich. Erfüllt Und ich spürte sehr klar: Das ist das, was man Zuhause nennt. Zuhause ist kein Ort auf der Landkarte, keine Adresse, kein Raum mit Möbeln. Zuhause war dieser Zustand, in dem ich mit mir selbst, mit den anderen und mit dem Leben verbunden war. Und das ist der Sinn. Und solange mein Puzzleteil von mir fehlte, konnte ich nicht Teil davon sein. Vielleicht fehlte es auch gar nicht, war längst da und ich habe es nicht erkannt. Egal. Vollkommen egal. Es liegt und hat seinen Platz gefunden und ich kenne meinen Platz.

Vom Tropfen zum Meer: Was Aquatica mit unserem Leben zu tun hat

Für mich hat Aquatica ein Bild verändert, das ich schon lange in mir trug: Das Bild vom kleinen Tropfen, der am Rand sitzt und nicht weiß, wie er dazugehören soll.

Im Wasser durfte ich erleben:

  • Ich bin nicht entweder Tropfen oder Meer.
  • Ich bin Tropfen im Meer.
  • Ich bin ich, mit meiner Geschichte, meinem Körper, meinen Grenzen.
  • Und gleichzeitig bin ich Teil von etwas Größerem, das mich trägt.

Aquatica hat mir dieses Wissen nicht erklärt. Es hat es mich fühlen lassen. Und das auch noch mit einer Intensität, die ich kaum in Worte fassen.

Und genau das ist es, was Biodanza für mich so tiefgreifend macht:

  • Es ist nicht theoretisch.
  • Es ist nicht nur spannend.
  • Es ist erlebbar.

Ich habe nicht gelernt, dass ich verbunden bin.
Ich war verbunden.

Du bist ein Tropfen, der fehlt!

Vielleicht kennst du dieses Gefühl, der Tropfen zu sein, der irgendwie nicht dazugehört. Vielleicht kennst du es, am Rand zu sitzen und aufs „Meer“ zu schauen, auf andere Menschen, auf Gemeinschaft, auf die Welt, auf Verbundenheit und dich zu fragen, wie du da hineinkommst oder ob du überhaupt dazu gehörst.

Aquatica ist kein Zaubertrick und kein schneller Lösungsweg. Aber es ist ein Raum, in dem du erleben kannst:

  • wie es ist, dich auszudehnen, ohne zu zerfallen
  • wie es ist, gehalten zu werden, ohne etwas beweisen zu müssen
  • wie es ist, ganz bei dir zu sein und gleichzeitig mit anderen

Für mich war dieses Wochenende im Wasser eine Erinnerung daran, dass „Zuhause“ kein Ort ist, an dem ich irgendwann ankomme. Zuhause ist ein Zustand in mir, der entsteht, wenn ich mich verbunden fühle mit mir, mit anderen, mit dem Leben. Und ich fand es wunderbar anzusehen, wie all die anderen Menschen um mich herum genauso abtauchten und Antworten auf ihre Fragen fanden. Jeder in seinem Tempo und dennoch habe ich jeden mindestens ein Mal ganz selig gesehen. Und das ist ein Geschenk!

Im warmen Wasser, im Schweben, im Getragenwerden durfte ich eine Ahnung davon finden. Und vielleicht – nur vielleicht – war das der Moment, in dem der kleine Tropfen in mir endlich verstand:

Ich war nie getrennt.
Ich war die ganze Zeit Teil des Meeres.

Schreib mir in die Kommentare, ob du diese leise Einsamkeit im Inneren kennst und ob da in dir die Sehnsucht ist, diese Lücke zu schließen und deinen Platz im Ganzen zu finden. Oder teile mir einfach nur deine Gedanken mit, die du teilen möchtest.

6 Gedanken zu „Wie Du vom einzelnen Tropfen Teil des Universums werden kannst“

  1. Florian sagt:

    Ja, genau so erlebe ich Biodanza auch, ob mit oder ohne Wasser. Endlich dazugehören, intensiv fühlen, auch den eigenen Körper „richtig“ fühlen. Beim Biodanza geht die Seele zur Schule, es ist kein Bisschen anstrengend, es passiert einfach so.

    1. Es passiert einfach so. Genau das ist es. Ohne etwas leisten oder stemmen zu müssen. Und es fühlt sich einfach wunderbar an.

  2. Oh ja, das kenne ich auch. Und es wird stärker, je mehr Menschen um mich herum sind. Dein Blogartikel hat bei mir eine kleine Gänsehaut ausgelöst – mein System geht in Resonanz. Hat sich gut angefühlt.

    1. Ich danke dir sehr. Es ist schön, das zu lesen. Dieses „in Resonanz gehen“ ist für mich etwas ganz Kostbares. Wenn Worte etwas im Körper anstoßen dürfen. Schön, dass sich dein System für einen Moment so angefühlt hat, um diese Gänsehaut zuzulassen. Danke für dein Vertrauen und dafür, dass du das hier sichtbar machst.

  3. Meitschi sagt:

    Liebe Janet,
    ich freue mich so daran, deine Aquatica Erfahrung im Detail zu lesen. ich kann nacherleben und meinen Aquatica w/s erinnern, das Gefühl damals, mit dem Großen Ganzen verbunden zu sein, ich dachte damals: so muss es sich nach dem Tod anfühlen, wenn ich keinen Körper mehr haben werde, aber doch liebevoll verbunden mit allem bin…
    Danke dir!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert