Was ist Biodanza? Ein sanfter Einstieg

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Eins vorn weg: Dieser eine Artikel kann Biodanza im Ganzen nicht vorstellen, aber kann dich auf eine erste Reise mitnehmen und dir ein Gefühl für das geben, was Biodanza ist.

Biodanza® bedeutet wörtlich „Tanz des Lebens“ – aus bios (Leben) und danza (natürliche Bewegung). Danza ist in diesem Sinne nicht einfach gleichzusetzen mit „tanzen“. Es ist kein Tanzkurs mit Choreografie und auch kein wildes Tanzen ohne Sinn und Halt.

Biodanza ist in Erfahrungsraum aus Musik, Bewegung und Begegnung. Entwickelt wurde das System in den 1960er-Jahren vom chilenischen Psychologen und Künstler Rolando Toro Araneda. Sein Anliegen war nicht, Menschen „besser“ tanzen zu lassen, sondern lebendiger zu werden: präsenter, herzlicher, kreativer. Kurz gesagt: menschlicher. In Biodanza nutzen wir Musik, Bewegung und die Begegnung mit anderen Menschen in der Gruppe, um innere Potenziale wie Vitalität, Kreativität und unsere Fähigkeit, Gefühle zu erleben und zu teilen zu beleben.

Nähe ohne Druck, Tiefe ohne Drama. Du kommst aus dem Kopf ins Spüren, gewinnst innere Stärke, Emotionalität, Lebendigkeit, Resilienz und innere Ruhe.

Kein „richtig“ oder „falsch“

In Biodanza gibt es keine Bewertung. Niemand zählt Schritte, niemand vergleicht und bewertet in irgendeiner Art. Außer man selbst vielleicht, wenn man zum ersten Mal da ist und und so als Neuling beobachtet, was dort gerade passiert. Die Bewegungen sind einfach und werden in der Grundform angeleitet. Am Ende kommen sie ganz aus dir selbst, sodass wirklich jeder mitgehen kann, abhängig von Alter, Fitness oder Vorerfahrung. Manchmal tanze ich allein und lausche nach innen, manchmal in Begegnung: Ein Blick, eine Geste, ein gemeinsamer Schritt. Es geht nicht um Form, sondern um Kontakt: zu mir selbst, zu dir, zum Leben.

Die „Tanzeinheiten“ heißen im Übrigen Vivencia, „gelebtes Erleben“. Eine Vivencia folgt einem organischen Bogen: Ankommen, den Körper wecken, Lebendigkeit steigern, in Beziehung gehen und schließlich integrieren. Ich mag diesen Aufbau, weil er mein Nervensystem auf eine Reise mitnimmt. Am Anfang werde ich wach, gegen Ende komme ich weich zur Ruhe.

3 Zutaten, die tragen: Musik, Bewegung und Begegnung

Biodanza arbeitet mit drei einfachen, aber kraftvollen „Zutaten“:

  1. Musik, die Emotionen öffnet und Orientierung gibt. Nicht als Hintergrund, sondern als „Herzschlag“ der Stunde.
  2. Bewegung, die Ausdruck und Zutrauen stärkt, ganz ohne Leistungsdruck von dem wir ohnehin viel zu viel haben.
  3. Begegnung, die menschlich berührt: Respektvoll, klar, mit Grenzen, die man sich selbst setzen kann.

Aus diesen Zutaten entsteht eine Art Lebensschule. Ich übe damit Dinge, die im ganz normalen Alltag sehr wichtig sind, z.B. präsent zu sein, genießen zu können, neugierig zu bleiben und auch eigene Grenzen wahrzunehmen. Für manche ist es auch einfach Nähe zuzulassen. Jeder der kommt, bringt seinen persönlichen Übungsbereiche (ich nenne es mit Absicht nicht Probleme) mit und lernt für sich. Es ist erstaunlich, wie sich solche Qualitäten über den Körper „einschreiben“, statt nur im Kopf verstanden zu werden. Und ich liebe jede Vivencia aufs Neue.

Wir eröffnen im Kreis und teilen

Biodanza heißt nicht, dass du kommst und sofort einfach mit dem Tanzen startest. Es geht nicht um das Tanzen als solches, weil du gerade die Lust verspürst: „Hach, ich will mal wieder tanzen. Einfach so.“ Das ist es nicht und es ist wichtig, das zu wissen. Wir starten eine Vivencia immer in einem Kreis, in dem wir alle sitzen und uns mitteilen. Wir sprechen über die Erfahrungen aus der letzten Vivencia, vielleicht über den Grund, warum wir heute da sind oder wo wir eigentlich gerade in uns selbst unterwegs sind.

Es geht nicht darum, Alltagsgeschichten aus dem Außen zu erzählen, sondern sich zu öffnen, was in einem gerade passiert. Und keine Angst, es muss dort nicht jeder sprechen. Alles ist freiwillig. Alles wird gehört. Nichts wird bewertet. Es wird einfach nur geteilt. Und in jedem Mitteilen steckt sehr oft ganz viel für die anderen drin. Wir schließen den Kreis gemeinsam und erst dann beginnt die Musik zu spielen und wir kommen langsam in Bewegung.

Teile deine Inneres und spüre, wie andere Menschen es mit dir teilen und liebevoll an deiner Seite stehen. Gib und nimm. Gestalte den Prozess für alle.

Wie es sich anfühlt

Nach unserem Gesprächskreis stelle ich mich in den offenen Kreis verschiedener Menschen. Das Handy ist aus, mein Alltag darf am Eingang parken. Ein leiser Beat beginnt, ich gehe durch den Raum, nicht irgendwi“, sondern spürend und ganz bewusst: Füße, Beine, Atem, Ankommen, präsent sein: Ich bin da, genau hier und jetzt. Ganz präsent. Ein Lied später wird die Musik lebendiger. Mein Körper wird wach und der Blick gelöster und offener.

Meine Augen treffen andere Augen. Ein Blick, ein Austausch. Kein Muss, nur eine Einladung. Spätestens hier wandern alle Dinge, die mich sonst so den ganzen Tag beschäftigen, in den Hintergrund. Ich bin hier, ich bin da. Ich teile alles mit den anderen Menschen, denen es irgendwie genauso geht wie mir, wenn auch komplett anders. Aber egal, hier sind wir für diesen Moment alle gleich. Die Musik bestimmt alles Weitere und ich erlaube mir, klein anzufangen, vielleicht mit einer kleinen Geste statt mit großen Schritten.

Die Vivencia nimmt ihren Lauf und jede ist anders. Das kann ich in Kürze hier nicht beschreiben, aber werde viele andere Artikel dazu schreiben. Gegen Ende wird die Musik ruhiger. Alle Menschen um mich herum verbinden sich und lassen alles gemeinsam ausklingen. Ich liege oder sitze, atme, spüre nach. Dieses Integrieren liebe ich: Nichts mehr tun, nur sein.

Für wen ist Biodanza?

Für Neugierige, für Menschen, die Lebendigkeit, Ruhe oder Herzlichkeit nähren möchten und für alle, die spüren: „Da ist mehr in mir. Ich will es nicht länger wegorganisieren.“ Tanzerfahrung brauchst du nicht. Was hilft, ist Bereitschaft zu fühlen. Viele beginnen mit einem offenen Abend oder einer Schnupper-Vivencia. Wenn es stimmig ist, lohnt sich Regelmäßigkeit: Einmal ist schön, doch über mehrere Monate entsteht Tiefe. Biodanza ist für alle da. Egal, welches Geschlecht oder welches Alter. Für Einsame, für Starke, für Traurige, für Fröhliche, für Verzweifelte, für Lustige. Für all jene, die gern mehr in ihr wahres Leben treten wollen. Die sich vielleicht manchmal erden müssen. Die alte Baustellen haben. Die einfach nur genießen wollen.

» Lesetipp: Für wen ist Biodanza

Was Biodanza nicht ist

Auch dazu möchte ich kurz etwas sagen. Biodanza ist

  • keine Choreografie-Show,
  • kein Wettbewerb
  • keine esoterische Lehre,
  • kein Kommen, um zu nehmen und
  • keine Psychotherapie.

Biodanza versteht sich als präventive, gesundheitsfördernde Praxis und kann therapeutische Wege ergänzen, aber nicht ersetzen.

Fünf Lebenslinien und spürbare Wirkung

Ich möchte dir noch die fünf Lebenslinien aus Biodanza vorstellen, um es noch besser zu verstehen. Viele Schulen beschreiben Biodanza über fünf Linien der Erfahrung.

  1. Vitalität
    Die Basis. Energie, Rhythmus, Atem. In der Vivencia fühlt sich das an wie „ankommen im Körper“. Wenn ich vital bin, spüre ich: Ich bin da, ich habe Zugkraft und Ruhe.
  2. Sexualität (sinnliche Lebendigkeit)
    Hier geht es nicht um Erotik als Show, sondern um Genussfähigkeit: mich lebendig fühlen, Wärme erlauben, ohne mich rechtfertigen zu müssen. Oft ein stilles, freundliches „Ja“ zum eigenen Körper.
  3. Kreativität
    Neugier, Spielfreude, Improvisation. In Biodanza übe ich, ohne Plan zu beginnen und mich überraschen zu lassen. Das macht mich im Alltag flexibler, weniger perfektionistisch, mehr handlungsfähig.
  4. Affektivität (Herzlichkeit)
    Beziehungsfähigkeit. Es meint die Kunst, Nähe zuzulassen, Grenzen zu achten und das Herz offen zu halten. Ich lerne, mich zeigen zu dürfen, ohne mich zu verlieren.
  5. Transzendenz
    Momente von Weite und Verbundensein. Das kann still sein: ein Atemzug, der plötzlich groß wird; das Gefühl, „getragen“ zu sein. Nichts Abgehobenes, eher eine ganz natürliche Ehrfurcht vor dem Lebendig-Sein.

Diese Linien sind keine Theorie zum Auswendiglernen. Sie werden über Erfahrung spürbar. Ein Blick, der mich wärmt. Schultern, die sinken. Ein Lachen, das ansteckt. So „versteht“ mein Körper, wofür Worte manchmal zu klein sind.

Ich habe sie meine Beschreibung hier sehr kurz gefasst und werde in anderen Artikeln mehr dazu schreiben, dass du noch tiefer eintauchen kannst, wenn es dich interessiert.

» Lesetipp: Vom Ursprung und der Grundidee von Biodanza

Was Biodanza im Alltag verändert

Ich kann natürlich nur von mir sprechen und von meinen Beobachtungen bei anderen. Was hat sich bei mir verändert? Als erstes würde ich die Emotionskompetenz nennen. Gefühle tauchen auf, dürfen da sein und fließen weiter. Ich reagiere weniger impulsiv, handle bewusster. Was ich oft bei Menschen beobachte, die es schwer haben, mit anderen in Kontakt zu treten oder Nähe zuzulassen ist eine Art „Beziehungs-Mut“.

Begegnungen werden für diese Menschen weniger bedrohlich. Blickkontakte können gehalten werden, Nähe kann zugelassen werden und die eigenen Grenzen verändern sich. Alles wird irgendwie normaler und einfacher. Etwas, was ich in jeder Vivencia spüre ist Optimismus und Genuss. Ein natürliches „Es ist gut, am Leben zu sein“ stellt sich ein. „Probleme“ aus dem Außen werden leichter und tragbar.

Gerade auch für mich wichtig ist die Stress-Regulation. Der Körper übt, zwischen Aktivierung und Ruhe zu wechseln und ich finde schneller zurück in Balance und kann lernen, mich selbst besser auszubalancieren. Das alles ist kein Zauber. Es ist eine Art Training auf eine menschliche, freundliche Art.

» Lesetipp: Vom Funktionieren ins Fühlen kommen

Dein Einstieg: So findest du deine Gruppe

Für Deutschland und Österreich findest du Termine, Gruppen und Ausbildungen gut über das offizielle IBFed-Portal oder die Deutsche Biodanza Gesellschaft. Meist reicht es sogar aus, wenn Du einfach bei Google nach Biodanza in deiner Nähe suchst.

Ein persönliches Bild zum Schluss

Ich gehe nach einer Vivencia oft heim wie nach einem guten Gespräch. Näher bei mir, weicher mit anderen. Nicht weil alles „gelöst“ ist, sondern weil etwas Lebendiges Platz bekommen hat. Für mich ist Biodanza wie ein Garten. Du musst ihn nicht erklären können. Es reicht, ihn zu betreten und regelmäßig zu gießen. Der Rest wächst.

Neugierig? Schreib mir gern und lass uns in den Austausch gehen.