Einsam unter Menschen

Du bist bei einer Familienfeier, triffst dich mit Freunden oder bist gerade im Büro. Um dich herum sind mehrere Menschen. Es wird gesprochen und gelacht, doch bei dir fühlt sich das irgendwie leer an. Du fühlst dich einfach nur einsam und irgendwie allein und auf Distanz zu all den anderen Menschen.

Das ist eine Erfahrung, die viele von uns kennen: Die bekannte Einsamkeit, obwohl man unter Menschen ist. Vielleicht hast du auch schon Momente erlebt, in denen du dich genau so fühltest. Du warst da, aber innerlich weit entfernt.

Auch körperlich zeigt sich diese innere Distanz

Oft zeigt sich Einsamkeit nicht nur als gedankliches Empfinden, sondern auch im Körper. Zumindest ich kenne das sehr gut. Manche Menschen berichten von einer Art Enge im Brustkorb, ein Gefühl von Kälte oder von einer leichten Schwere, die sich kaum erklären lässt. Es kann sich so anfühlen, als ob die Verbindung nach außen und zu sich selbst brüchig wird. Man ist auf Distanz zu allem, was fühlbar ist.

Gedanken wie „Ich passe nicht wirklich dazu“ oder „Keiner sieht mich“ tauchen auch häufig dabei auf, genauso wie:

Ich passe hier nicht dazu. Die sind irgendwie alle anders als ich.

Diese Gedanken bilden meist nicht wirklich die Realität ab, sondern geben eher die innerliche Distanz zum Ausdruck. Eine Distanz, die sich manchmal kaum überwinden lässt. Gleichzeitig kann dieses Gefühl von Distanz begleitet sein von einem Schwanken zwischen dem Wunsch, Nähe zu spüren und dem Bedürfnis, sich lieber zurückzuziehen. Da stecken wir Menschen dann ganz schön in der Zwickmühle. Da passt dann der Spruch: Wer das eine will, muss das andere haben.

Warum entstehen solche inneren Abwehrmechanismen überhaupt?

Menschen, die frühe Erfahrungen gemacht haben, in denen sie nicht gesehen oder nicht ernst genommen wurden, entwickeln oft Wege, sich zu schützen. Schutzmechanismen wie Rückzug, Kontrolle oder verstärktes Denken sind Strategien, um nicht erneut verletzt zu werden. Das ist natürlich nur ein Beispiel von vielen und jeder Mensch bringt seine ganz eigene Geschichte mit. Wichtig ist aber, diese Strategie hatte ihren Sinn! Und sie war gut, diese Strategie.

Nur ist eben heute die Frage: Bedarf es dieser Strategie noch oder können wir eine neue Strategie ausprobieren, weil sich die Umstände verändert haben?

Ich möchte irgendwie doch auch etwas von mir zeigen. Ich möchte mehr von dem Leben da draußen fühlen. Wie viel darf das sein? Wie kann ich mich selbst spüren, ohne in verletzliche Situationen zu geraten?

Diese Fragen bilden zumindest einen Anfang, der zeigt, dass man sich seiner Distanz bewusst ist und sie vielleicht verändern möchte. Wie gehe ich mit Abstand um, der sich körperlich und emotional einstellt? Wo wünsche ich mir mehr Verbindung, und wo brauche ich vielleicht erst mal Raum für mich selbst? An was liegt es eigentlich, dass ich mich einsam unter Menschen fühle? Sind es tatsächlich die anderen Menschen oder bin ich es?

Wir reden hier über Barrieren, die sich meist über Jahre aufgebaut und vor allem manifestiert haben. Und mit einem Hammer kann ich diese nicht einfach einreißen.

Wie Bewegung und Tanz innere Barrieren auflösen können

Wenn wir Einsamkeit erleben, bedeutet das auch, dass unser Nervensystem in einer Art Alarmbereitschaft ist. Einsamkeit ist nicht nur trauriges Gefühl, sondern ein biologisches Warnsignal, das unser Nervensystem in einen Zustand von „Kampf oder Flucht“ (Fight-or-Flight) versetzt.

Bewegung, besonders bewusste und tänzerische, ist ein effektives Mittel, um aus diesem Zustand der Alarmbereitschaft herauszufinden. So wird durch die körperliche Aktivität, das überschüssige Adrenalin und Cortisol abgebaut, was unsere Stresshormone sinken lässt. Außerdem helfen die achtsamen Bewegungen uns dabei, wieder vom Kopf zurück in den Körper zu kommen und das signalisiert unserem Nervensystem Stabilität und Sicherheit. Und noch ein letzter wichtiger Punkt: Durch die rhythmischen Bewegungen wird unser Vagusnerv aktiviert und damit kommt der Körper allmählich in einen Zustand der Entspannung, Erholung und Stress reduziert sich.

Darüber hinaus unterstützt Tanz bzw. Biodanza die soziale Verbindung auf einer nonverbalen Ebene. Wenn sich Menschen im Tanz begegnen, entsteht ein Austausch, der ohne Worte reicht. Das Herz-Kreislauf-System reagiert auf diese Verbindung und es können Gefühle von Nähe und Verbundenheit auftauchen, die sonst schwer erlebbar sind. Dabei entsteht ein körperliches Gefühl von „gesehen werden“ und „Ankommen“, das über reine Gespräche hinausgeht.

Der Körper speichert Erfahrungen von Nähe und Distanz, Bewegung ermöglicht es, diesen Speicher neu zu gestalten. So kommt man langsam weg von Schutz und Rückzug, hin zu Offenheit und Vertrauen.

Ein Tanz ist eine Brücke zwischen Innen und Außen, zwischen Distanz und Verbindung.

Meine Erfahrung mit Biodanza und dem Körpererleben

Aus meiner eigenen Erfahrung mit Biodanza weiß ich, wie stark die körperliche Erfahrung wirkt. In der Bewegung und auch in der Begegnung mit anderen Menschen lösen sich bei mir oft Spannungen, die lange unbemerkt blieben und die ich einfach lange mit mir rumgetragen habe. Auch eine sich manchmal leise einschleichende Distanzierung vom eigenen Empfinden verschwindet langsam wieder. Und oft ist es so, dass ich vorher gar nicht gemerkt habe, dass sie wieder da war, aber danach merke ich, dass ich plötzlich wieder mehr bei mir bin. Andere Dinge rücken in den Vordergrund, das eigene Ich und Empfinden sind wieder wichtiger.

Biodanza in Chemnitz und Leipzig

Der direkte Kontakt zu anderen Menschen und der Tanz helfen mir, meine Gefühle klarer zu spüren, ohne sie sofort bewerten oder kontrollieren zu müssen. Sie sind einfach das und dürfen sein. Das Erleben von Rhythmus und Klang öffnet bei mir einen Raum, in dem Nähe spürbar wird, ohne dass ich Worte finden muss. Dieses körperliche Fühlen hat mir bereits in vielen Momenten geholfen, eine neue Verbindung zu mir aufzubauen. Ich spreche immer davon, dass mich regelmäßiges Biodanza erdet und mich immer wieder zum wahren Kern zurückführt und das empfinde ich als sehr wertvoll.

Einladende Gedanken für deinen Weg

Einsamkeit ist ein Thema, das nicht schnell zu lösen ist, aber das sich z.B. durch achtsame Bewegung und durch weitere Menschen an der eigenen Seite erkunden lässt. Es kann sich lohnen, den Körper wieder als einen Ort zu entdecken, an dem Verbindung entstehen darf. Du bestimmst das Tempo und gehst nach deinen Bedürfnissen.

Vielleicht bist du neugierig geworden, wie sich deine innere Distanz durch Bewegung verändern kann. Fühle Dich eingeladen, ihr mit mehr Offenheit zu begegnen.

Wenn Du Interesse an Biodanza in Chemnitz oder Leipzig hast, melde Dich gern bei mir.

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