Biodanza verstehen

Biodanza und Sexualität

Was wirklich gemeint ist und warum dieser Begriff oft missverstanden wird

Biodanza und Sexualität – das löst meist gleichzeitig Neugier und Unsicherheit aus, weil wir wohl im Alltag eine sehr klare Vorstellung davon haben, was Sexualität bedeutet und genau diese Vorstellung scheinbar plötzlich in einen Kontext gesetzt wird, der damit auf den ersten Blick nicht zusammenpasst. Und genau an dieser Stelle beginnt das Missverständnis. Leider.

Denn wenn wir in Biodanza über Sexualität sprechen, geht es nicht um das, was viele zunächst vermuten, sondern um etwas, das deutlich grundlegender ist und gleichzeitig viel zarter daherkommt, als es das Wort erwarten lässt.

Was Sexualität in Biodanza bedeutet

In Biodanza geht der Begriff „Sexualität“ auf das Konzept von Rolando Toro zurück, der Biodanza als ein System verstanden hat, das verschiedene Bereiche menschlicher Erfahrung miteinander verbindet.

In diesem Zusammenhang ist Sexualität eine von mehreren sogenannten Lebenslinien.

Die fünf Lebenslinien sind übrigens:

  1. Vitalität: Damit sind unsere körperliche Energie, unsere Lebenskraft und unsere Gesundheit gemeint.
  2. Sexualität: Sie umfasst unsere Empfindungen, unsere Genussfähigkeit, das Spüren im eigenen Körper.
  3. Kreativität: Sie ist unser Ausdruck, unsere Gestaltung und die Art und die Möglichkeit etwas Neues entstehen lassen zu können.
  4. Affektivität: Darunter fallen unsere Beziehungen, Bindungen und emotionale Verbindungen.
  5. Transzendenz: Transzendenz bezeichnet die Verbundenheit mit etwas Größerem, über das eigene Ich hinaus.

Sexualität beschreibt also einen grundlegenden Ausdruck von Leben selbst und nicht eine isolierte Handlung zwischen Menschen. Wenn man Sexualität in diesem ganz ursprünglichen Sinne betrachtet, dann beschreibt Sexualität vor allem die Fähigkeit,

  • sich im eigenen Körper lebendig zu fühlen,
  • Empfindungen wahrzunehmen und
  • Genuss überhaupt zuzulassen,

ohne dass dabei sofort ein Ziel, eine Erwartung oder eine Bewertung im Raum steht. Sexualität ist eine Grundfunktion des Lebens, nicht eine Handlung.

Das bedeutet: Sexualität in Zusammenhang mit Biodanza ist weniger etwas, das zwischen Menschen passiert, sondern vielmehr etwas, das zunächst in dir selbst entsteht. Die Frage lautet also nicht „Mit wem hast du körperliche Nähe?“, sondern

„Wie lebendig fühlst du dich in deinem Körper?“

Sexualität wird als Ausdruck der Lebensenergie verstanden, die weit über den rein biologischen Akt hinausgeht und Sinnlichkeit sowie Genuss im Alltag fördert. Und Biodanza hilft uns Menschen, den eigenen Körper als wertvoll wahrzunehmen.

Warum in Biodanza Sexualität oft falsch verstanden werden

Ich denke, das Missverständnis rund um den Begriff Sexualität im Bereich Biodanza entsteht vor allem dadurch, dass wir den Begriff Sexualität im Alltag sehr eng führen und fast automatisch mit Intimität, körperlicher Nähe oder sogar mit Erwartungen und Unsicherheiten verknüpfen, die viele Menschen aus ihren eigenen Erfahrungen kennen.

Wenn dieser Begriff dann im Zusammenhang mit Tanz, Bewegung und Begegnung auftaucht, entsteht schnell die Frage, ob es sich um einen Raum handelt, in dem Grenzen verschwimmen oder in dem etwas passiert, das man nicht kontrollieren kann.

Genau diese Sorge haben manche Menschen und scheuen sich dann davor, zum Biodanza zu gehen. Und genau deshalb ist es wichtig, hier klar zu unterscheiden.

Was in Biodanza Sexualität ausdrücklich nicht ist

In Biodanza bedeutet Sexualität nicht, dass es in den Sessions um sexuelle Handlungen, intime Begegnungen im klassischen Sinne oder irgendeine Form von Grenzüberschreitung geht, denn genau das würde dem Grundprinzip von Biodanza widersprechen, das auf Freiwilligkeit, Achtsamkeit und persönlicher Wahrnehmung basiert.

In einer Biodanza Vivencia, also einer Session, gibt es zwar Begegnungen zwischen Menschen, aber diese finden immer innerhalb eines klaren Rahmens statt, in dem jeder für sich entscheidet, wie nah er gehen möchte und was sich im jeweiligen Moment stimmig anfühlt.

Das bedeutet auch, dass aus Sicht von Biodanza Sexualität nichts mit Druck, Erwartung oder einem „Du musst dich öffnen“ zu tun hat, sondern vielmehr mit der Möglichkeit, überhaupt wieder zu spüren, wo die eigenen Grenzen liegen und wie sich Nähe oder Abstand im eigenen Körper anfühlen.

Biodanza in Chemnitz und Leipzig

Wie sich in Biodanza Sexualität tatsächlich zeigt

Wenn man in Biodanza Sexualität nicht über den Begriff selbst, sondern über die Erfahrung betrachtet, wird schnell deutlich, dass es sich um etwas handelt, das in sehr einfachen Momenten spürbar wird.

Es kann sich darin zeigen, dass der Atem ruhiger wird, dass Bewegungen weicher werden oder dass ein Gefühl von Präsenz entsteht, das im Alltag oft überlagert ist von Gedanken, Aufgaben und innerem Druck.

In Biodanza zeigt sich Sexualität also nicht in großen, spektakulären Momenten, sondern eher in einer Form von innerer Wahrnehmung, die vielen Menschen im Alltag verloren gegangen ist, weil sie stark im Kopf sind und den Zugang zum eigenen Körper nach und nach aus dem Blick verlieren.

Warum diese Sexualität in Biodanza für viele Menschen relevant ist

Wenn man genauer hinschaut, wird deutlich, dass das Thema Sexualität in Biodanza gar nichts mit einem besonderen Interesse an Sexualität zu tun hat, sondern vielmehr mit einer tieferen Frage, die viele Menschen beschäftigt, ohne dass sie sie direkt so formulieren würden.

Wie sehr bin ich eigentlich noch mit mir selbst verbunden?

Spüre ich meinen Körper oder funktioniere ich eher durch den Alltag? Kann ich Nähe zulassen, ohne mich dabei zu verlieren?

Die Lebenslinie Sexualität in Biodanza setzt genau an dieser Stelle an, indem sie nicht versucht, Antworten zu geben, sondern einen Erfahrungsraum schafft, in dem diese Fragen überhaupt wieder spürbar werden können.

Ein anderer Blick auf Sexualität durch Biodanza

Wenn man sich auf Biodanza einlässt, verändert sich oft auch die Bedeutung, die man dem Begriff Sexualität gibt, weil er sich langsam löst von der engen Vorstellung und hin zu etwas geht, das viel mehr mit Lebendigkeit, Spüren und innerer Verbindung zu tun hat.

In Biodanza beschreibt Sexualität dann nicht mehr etwas, das man „macht“, sondern etwas, das entsteht, wenn man sich selbst wieder wahrnimmt und dem eigenen Körper erlaubt, ein Teil der eigenen Erfahrung zu sein.

Wie sehr bist du gerade bei dir?

Vielleicht ist es für dich ein erster Schritt, den Begriff Sexualität nicht nur im Kopf zu bewegen, sondern ihn ein Stück weit im eigenen Erleben zu erkunden. Nicht, indem du etwas verstehen musst, sondern indem du dir erlaubst, wahrzunehmen, wie sich dein Körper gerade anfühlt. Ohne Ziel, ohne Bewertung. Einfach nur mit der Frage: Wie sehr bin ich gerade bei mir?

Es ist eine Einladung, dir selbst Raum zu geben und deine eigene Erfahrung zu machen. Ganz in deinem Tempo. Ohne etwas erreichen zu müssen. Und vielleicht entsteht genau daraus nach und nach ein anderes Gefühl von Lebendigkeit.

Wenn Du Interesse an Biodanza in Chemnitz oder Leipzig hast, melde Dich gern bei mir.

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